In love with Critical Hetness

Eigentlich empfinde ich es als Widerspruch, dass heterosexuell gelesene Menschen an dieser Stelle wieder so viel Raum bekommen, aber ich auch ich möchte mich an der Auseinandersetzung mit critical Hetness beteiligen. Doch wie hier meist, eher in Form eines Erfahrungsberichtes.

Ich kenne (ausschließlich hetero) Menschen in meinem Umfeld, die sich nach wie vor fragen, wieso ein „Outing“ als homo/lesbisch/schwul/nicht hetero/queer/… (auf jeden Fall nicht Frau* mit Mann*), in unserer inzwischen ja so offenen („deutschen“) Gesellschaft, ein so großes PERSÖNLICHES Hindernis sei.

Statt einem fetten FUCK¹ YOU!  für „Outing“², „offen“³, „unserer Gesellschaft“⁴ und „persönliches Hindernis“⁵, gibt es an dieser Stelle eine kleine biografische Erzählung:

Ende der Achtziger wird ein kleiner Mensch geboren, nach langer Diskussion bekam dieser dem Namen Debs. Debs kam in den Kindergarten und zu einer der Lieblingsanekdoten von Debs Tante gehört bis heute die Geschichte, wie Kleindebs von einem fremden Elternteil gefragt wurde, was Mama und Papa denn so machen. Debs antwortete: „Mama Uni, Papa schläft.“. Das relevante an dieser Stelle ist, dass Kleindebs mit etwa drei Jahren nach MAMA und PAPA gefragt wurde. Ganz selbstverständlich hat Kleindebs gelernt, da muss ein Mann* und eine Frau* als Gemeinschaft existieren. Dann ist Kleindebs in die Bücherecke getorkelt und hat ein Buch mit bunten Bildern aufgeschlagen. Zu sehen waren: Vater, Mutter, Kind. Und Vater, Mutter, Kind mit Hund. Und Vater, Mutter, Kind bekommen noch ein Kind. (Wer jetzt sagt „ja ja ja ABER heute gibt es in Kindergärten/Kitas etc. ja auch schon Bücher mit ,gleichgeschlechtlichen‘ Eltern“, dem sei gesagt, ein Buch von 30 weiteren Hetero-Büchern in einem Kindergarten, stellt noch KEINE ,NORMALITÄT‘ dar!!!). Dann wurde Kleindebs etwas größer und bekam Geschichten vorgelesen: Pipi Langstrumpf (überall Vater, Mutter, Kind), Das kleine Gespenst (Väter, Mütter, Kinder), Die Kinder von Bullerbü (Vater, Mutter, viele Kinder), Der Wunschpunsch: (Hexe und Zauberer), Die Märchen der Gebrüder Grimm (Vater, Stief_Mutter, Kind) und so weiter und so fort. Das einzige nicht hetero Paar, an das ich mich im Nachhinein erinnere, waren der kleine Bär und der kleine Tiger von Janosch.
Debs wurde älter fing an mit Barbies zu spielen. Wer Barbies hat, braucht auch einen Ken. Schwupps hatte ich den, obwohl ich mir den gar nicht gewünscht hatte. 
Als Debs dann in die Schule kam, gab es auch irgendwann Sexualkundeunterricht. Da lernten wir die Basics über Sex: er findet zwischen Männern und Frauen statt. Lehrer_innen und Eltern erfanden süße Pärchen, die selbstverständlich immer aus Jungen und Mädchen bestanden.
Debs entdeckte das Fernsehen zwar nur in geringen Dosen (Zuhause gab es keinen Fernseher), aber auch da überall: Jungs und Mädchen, Männer und Frauen die einander suchen und finden.
Und egal wo Klein- und Etwasgrößerdebs sich im öffentlichen Raum bewegt haben, überall waren selbstverständlich Väter* und Mütter*, Männer* und Frauen*, Jungen* und Mädchen*, die, heteronormativ lesbar, Zärtlichkeiten austauschten.
Das kann mensch ewig weiter führen, aber ich glaube das Setting das zwangsläufig beim Heranwachsen in einer heteronormativ geprägten Gesellschaft gegeben ist, wurde verstanden. Nun also zu den Folgen:

Ich habe in einem anderen Text bereits erwähnt, dass ein Traum, in dem ich eine Mitschülerin küsste, dafür sorgte, dass ich mich in der dritten Klasse eine Woche lang nicht in die Schule getraute. Damals gab es in der Klasse bereits die ersten „Pärchen“, die sich küssten, ohne dass eine_r sich deswegen nicht mehr in die Schule gewagt hätte.
Ich erlebte zunehmend den Druck einer existierenden Erwartung, ich müsse mich ebenfalls in einen Jungen* verknallen. Das war kein innerer Druck, das war einer, der kam von Außen und das gegenüber einem neunjährigen Wesen. Schon Kinder reproduzieren Heteronarmativität und stellen gesellschaftlichen Druck her, weil sie lernen, dass Heteroperformances der Norm entsprechen.
Dann kam die Pubertät und die Hetero-Hölle öffnete weit ihre Tore:
Glückliche Zukunftsbilder kannte ich nur in hetero. Ein zufriedenes, gutes Leben bedeutete Typ, Kind, Hund, Haus, weißer Gartenzaun. Da ich nun aber leider nichts mit Typen anfangen konnte_kann, das aber schließlich erwartet wurde, musste ich mir was einfallen lassen: Die Lösung hieß ALKOHOL! Mit vierzehn, fünfzehn, sechzehn wurde sich konsequent am Wochenende besoffen und mit Typen rumgemacht. Dabei bin ich in Situationen geraten, die mich heute noch erschrecken. Aber, das war alles weniger beängstigend, abweichend, Besorgnis erregend, als nicht hetero zu sein. Und natürlich war es besonders wichtig diese Performances in der Öffentlichkeit zu bieten, weil ich genau dort ja den Normalzustand unter Beweis stellen musste.
Dieser Kampf ging einige Jahre. Auch noch nach meinem „Outing“² wäre ich lange lieber hetero gewesen, weil das einfacher, ,normaler‘, angesehener ist und laut so vieler Menschen ja soooooo viel besser zu mir gepasst hätte. Zudem war die allgemeine Meinung, dass das sowieso nur so eine Phase sei. Hat irgendein Mensch Heterosein schonmal als Phase bezeichnet? Eher nicht.
Und dann der Scheiß mit den Fragen, den Blicken, den Sprüchen. Lassen wir den ganzen „hast Du schonmal mit nem Mann“, „Du brauchst nur nen ordentlichen Kerl“ und „Du bist doch hübsch“ Scheiß weg, bleibt immer noch „Wann haste denn gemerkt, dass Du homo bist?“. Und wenn ich antworte mit „wann hast Du denn gemerkt, dass Du hetero bist?“, wird gelacht, weil die Frage für ein Scherz gehalten wird.

Wenn mich Typen fragen, warum ich nicht mit Typen schlafe und ich zurück frage, warum sie es nicht tun, wird der Zusammenhang nicht erkannt, denn das eine sei ja normal und das andere eklig.

Zurück zur critical hetness:
Um ehrlich zu sein ist es mir ziemlich egal, wer wann mit wem rumknutscht, ich finde es in der Regel immer unangenehm. Was mich bei hetero-gelesenen Pärchen aber besonders daran stört, ist dass es, ob es Heten glauben wollen oder nicht, tatsächlich mein Leben erschwert. Jedes knutschende als hetero gelesene Paar auf der Straße, in Cafés, im Fernsehen etc. ist dafür mitverantwortlich, dass die oben beschriebene Hölle sich weiter reproduziert. Selbstverständlich öffentlich gelebte hetero Intimität und Nähe, sozialisiert Menschen, Heteronarmativität tatsächlich auch als Norm zu internalisieren. Jede hetero gelesene Kuschelei nimmt nicht-normativen Raum im gesellschaftlichen Denken. 
Die Aufforderung hetero(gelesene) Pärchen sollen ihre Heteroperformances reflektieren und im besten Fall soweit möglich darauf verzichten, ist keine Bitte, die nur aus einer persönlichen Verletztheit heraus Bestand hat, sondern eine, der der Wunsch nach einer nachhaltigen gesellschaftlichen Veränderung zugrunde liegt. Sozialisation erfolgt über das Vorleben gesetzter Normen, die gerade dann unhinterfragt übernommen werden, wenn sie in vollkommener Selbstverständlichkeit omnipräsent sind.

Fun-Fact am Ende: Mein Computer kennt zwar die Begriffe „Homo“/“Homos“, aber zeichnet rote Stiche bei den Worten „Hete“/“Heten“. Woran könnte das wohl liegen?!

¹ “FUCK YOU“ muss aus Ermangelung einer ebenso deutlichen Alternative leider an diesem Punkt herhalten, obwohl ich es eigentlich lieber vermeide to fuck, was ja eigentlich etwas sehr schönes ist, negativ zu verwenden.

² „Outing“ ist so ein Begriff, der perfekter Spiegel einer heteronaormativen Gesellschaft ist. Ich verwende ihn allerdings gern, wenn es darum geht zu erklären, dass Nichtheterosein dazu führt aus einer heteronormativen Gesellschaft raus(out)zufallen – Out zu sein heißt bezüglich bestimmter Privilegien Out-sein

³ von einer „offenen“ Gesellschft kann nur sprechen, wer entsprechende Privilegien inne hat. Offen ist kurz vor „tolerant“, was der Inbegriff von Ausgrenzung ist.

⁴ „unsere Gesellschaft“ ist in diesem Zusammenhang ein Witz, weil eine heteronormative Gesellschaft genau mich eben nicht widerspiegelt.

⁵ „persönliches Hindernis“ dagegen ist einfach nur eine In-Your-Face-Aussage, weil sie davon ausgeht, ein offen gelebtes nicht-hetero Begehren sei aus einer persönlichen Hemmung heraus schwierig und völlig ignoriert, dass der Druck und die Repressalien, von Außen kommen.

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11 Gedanken zu “In love with Critical Hetness

  1. Mir gefällt dein Text, weil er Persönliches beschreibt. Du beschreibst gut, wie du dich fühlst. Auch wenn ich an meine Kindheit und Jugend gänzlich andere Erinnerungen habe (evtl. werde ich die in diesem Zusammenhang auch mal aufschreiben). Vielleicht ist das ja schon ein gutes Zeichen, dass es eine positive Entwicklung diesbezüglich gibt (oder ich hatte einfach Glück).
    Das ist der erste Text zum Thema, bei dem ich echt sagen kann, ich verstehe den Wunsch nach Critical Hetness.
    Allerdings frage ich mich doch, ob du glaubst, dass die gesamte Situation dadurch besser wird, wenn einfach nicht mehr in der Öffentlichkeit geknutscht wird? Denn würde das nicht nur dazu führen, dass eben die Liebesbekundungen der als Heteropäärchen (oder so gelesene) ebenso aus der Öffentlichkeit verschwinden, statt gleichgeschlechtlichen Paaren ein unbeschwerteres Leben zu ermöglichen.
    Ich würde mir wünschen, dass ich jederzeit die Person küssen oder in den Arm nehmen kann, die ich liebe -unabhängig davon welches Geschlecht die Person nun hat.

    Liebe Grüße,
    Miria

    1. Genau das hab‘ ich auch gedacht. Super Artikel, aber beim vorletzten Absatz kann ich nicht mitgehen – ich wünsch‘ mir, dass das Verhältnis von knutschenden homo- und knutschenden hetero-Paaren sich ändert und knutschende homo-Paare (und trans- und inter-) genauso normal werden, aber nicht, dass Zuneigungsbekundungen aus dem öffentlichen Raum verbannt werden.

      1. Ich hab‘ mich in der Zwischenzeit erst intensiver in Critical Hetness und die Diskussion um das heteronormativ gelesene öffnetliche (Nicht-)Knutschen eingelesen und würde gerne meinen vorherigen Kommentar als uninformiert, oberflächlich, vorschnell und ein wenig gedankenlos revidieren. Die Thematik ist sehr viel komplexer und eine derart vereinfachte Sichtweise und Positionierung wie oben ziemlich unkritisch und …. bullshit. Sorry dafür! Kann Dein im Text beschriebenes Empfinden durchaus gut verstehen.

  2. Habe auch mal meine Meinung zum Thema aufgeschrieben (inspiriert von deinem Post 🙂 ) Hoffe es ist in Ordnung, dass ich dich in meinem Text verlinkt habe.

    Liebe Grüße,
    Miria

  3. Hallo Debs,

    ich habe Dein Blog vorhin erst entdeckt und in den letzten zwei Stunden einige Artikel gelesen, für die ich dich durchgehend toll finde. Was du schreibst ist mutig und ehrlich und genau beobachtet.
    Diesen Artikel hier habe ich aber die ganze Zeit in einem anderen Tab offen gehabt, weil ich immer wieder darüber nachdenken musste. Es gibt einige Punkte, um die sich meine Gedanken die ganze Zeit drehen und ich hoffe, dass Du oder Andere hier Lust haben, mit mir darüber zu diskutieren. Zuvor noch: Ich versuche immer (immerimmerimmer) meine Sprache nicht verletzend, nicht diskriminierend, nicht blödsinnig zu wählen, aber auch sensible Sprache ist ein Prozess (erst kürzlich habe ich irgendwo gelesen, dass Antisexist_in oder Antirassist_in sein nie ein Zustand, sondern immer ein Prozess ist; das finde ich toll!), deswegen korrigiert mich bitte, wenn ich was schreibe, was Ihr blöd findet!

    So. Jetzt aber zu meinen Gedanken, zu deinem Text: Im Moment lebe ich in einer heterosexuellen Zweierbeziehung. Was nicht heißt, dass ich immer in heterosexuellen Zweierbeziehungen lebe. Aber zur Zeit bin ich eben in diesen einen Menschen verliebt und auch ziemlich glücklich darüber, dass er auch in mich verliebt ist. Und weil ich verliebt bin, knutsche ich auch gerne und manchmal auch in der Öffentlichkeit. Es ist natürlich für mich, als eine als Frau gelesene Person eine als Mann gelesene Person zu knutschen, viel ‚einfacher‘ (ich meine, das kostet wesentlich weniger Überwindung, bzw ich werde so gut wie nie deswegen blöd angemacht), wie wenn ich eine trans*Person oder drei Menschen auf einmal knutschen würde (das mit dem knutschen meine ich plakativ, eigentlich sollte ich vielleicht eher „Beziehungen führen“ oder so etwas schreiben). Und natürlich reproduziere ich eine heteronormative Vorstellung, wenn ich öffentlich heterosexuell knutsche. Natürlich will ich das nicht, aber irgendwie finde ich es auch blöd, nur weil die Person, in die ich gerade verliebt bin zufällig ein Mann* ist, auf das Knutschen (= öffentlich zeigen, dass wir eine heterosexuelle Beziehung führen) zu verzichten.
    Vielleicht ist es nicht das Selbe, aber in meinem Kopf komme ich immer wieder auf das „Ich möchte mich schminken/ kochen/ High Heels tragen, OBWOHL ich als Frau gelesen werde/ mich als Frau identifiziere.“ Ich möchte ja auch in nichtheterosexuellen Beziehungen Zärtlichkeiten austauschen. Ich finde es irgendwie unfair, dass das öffentliche Ausleben einer heterosexuellen Beziehung heteronormative Sterotype reproduziert und ich dann eventuell ein schlechtes Gewissen habe, nur weil die Beziehungsform, in der ich momentan lebe zufällig der Norm entspricht. Andererseits bin ich auch unsicher, ob ich das überhaupt unfair finden darf, weil ich ja im Moment keine ‚Betroffene‘ bin.

    Hm. Ohje, ich bin mir nicht mal sicher, ob das, was ich jetzt geschrieben habe, tatsächlich das ist, was ich meine. Aber ich würde mich auf jeden Fall freuen, falls Ihr Lust habt, mir zu antworten und vielleicht etwas aus der Verwirrung zu helfen?

    Liebe Grüße

    1. Hallo m.

      Ich versuche mal ein paar Punkte aufzugreifen:

      Das Zitat „Ich möchte mich schminken/ kochen/ High Heels tragen, OBWOHL ich als Frau gelesen werde/ mich als Frau identifiziere.“ finde ich gerade nicht, deswegen weiß ich nicht in welchem Kontext ich es gebraucht habe. Denn eigentlich identifiziere ich mich nicht als „Frau“.
      Aber ich betone ja immer wieder, dass ich HighHeels tragen und mich schminken möchte ohne in bestimmte Kategorien eingelesen zuwerden. Diese Wünsche und der Text zur Critical Hetness finden auf verschiedenen Ebenen statt. Lippenstift, HighHeels, Kochen führen dazu, dass ich frauisiert gelesen werde, obwohl ich das nicht möchte. Es werden mir heteronormative Bilder übergestülpt, die nichts mit mir zu tun haben. Damit werde ich ganz persönlich verletzt. Das ist eine rein persönliche Ebene. Warum das aber nochmal was anderes ist, als als „Hete“ gegen den eigenen Willen eingelesen zu werden, erkläre ich später.

      Der Text zur Critical Hetness dagegen kritisiert, obwohl auch sehr persönlich geschrieben, auf einer anderen Ebene, aber das schreibe ich ja auch. Es geht nicht um ein persönliches Problem. Es geht darum, dass Strukturen selbstverständlich reproduziert werden. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Kritik.
      Mir ist bewusst, dass ich mit der Kleidung die ich trage und der Art und Weise wie ich mich schminke Dinge reproduziere. Aber im Gegenteil dazu glaube ich nicht, dass ich diese Dinge „ZUFÄLLIG“ toll finde. Im Gegenteil, mir ist sehr bewusst welche sozialisierten Bilder dafür verantwortlich sind und versuche diese zu überspitzen. Ich verkleide mich als Frau. Dagegen höre ich oft, dass Menschen sagen, sie seien „zufällig“ in einer heteronormativen Beziehung. Ich glaube dieses „Zufällig“ ist nicht sehr reflektiert.
      Hinzu kommt, dass ich, in dem ich frauisiert gelesen werde, in eine depriviligierte Rolle gelesen werde, nämlich in die einer Frau. Als Heteropaar gelesen zu werden ist ein zuschreiben von Privilegien und m.E. deswegen anders zu lesen.

      Ich hoffe ich konnte so auf die Schnelle ein Bisschen klar machen, warum dasnicht 100% gleichsetzbar ist.

      P.s: Keine_r verbietet das Rumknutschen. Die Frage ist, wie und wo und mit welcher Selbstverständlichkeit ich das performe.
      Sexualität und Zärtlichkeiten austauschen ist nicht nur aus Critical-Hetness-Sicht schwierig. Es gibt eine enorme ableistsiche Komponente, die zu bedenken ist. Als „gesund“ gelesenen Menschen wird selbstverständlich eine Sexualität zu geschrieben, anderen nicht. In der Öffentlichkeit Rumknutschen reproduziert noch viel mehr als nur Heterosexismus. Dazu kann ich einen tollen Kommentar zum dem Text „Critical Hetness“ auf der Mädchenmannschaft-Seite (Ist in meinem Text in Love with Critical Hetness verlinkt) empfehlen.

        1. Hallo Debs,

          erstmal vielen Dank für Deine schnelle Antwort. Tatsächlich ist mir dadurch (und durch den Artikel auf der Mädchenmannschaft, den ich vorher nicht gelesen hatte) einiges klarer geworden. Du sagst, dass du die Behauptung „zufällig eine heterosexuelle Beziehung führen“ unreflektiert findest und ich glaube, dass das vielleicht einer der Knackpunkte ist. Denn gerade in diesem Punkt fühle ich mich wirklich unreflektiert, irgendwie schaffe ich da nicht so richtig den Sprung von „kann ich nachvollziehen, dass das doof ist“ zu „auf meine eigene Lebenssituation angewendet“. Ich hatte ‚zufällig‘ gesagt, da ich nicht immer in heterosexuellen Beziehungen bzw. monogamen Beziehungen gelebt habe (bzw vielleicht auch leben werde), aber ich glaube genau das hatte ich nicht bedacht: dass ich ja jetzt momentan eben schon in einer heterosexuellen Beziehung bin und damit Heteronormativität reproduziere. Woher sollen die anderen Menschen auch wissen, dass ich nicht immer nur Männer* knutsche? Und auch aus ableitistischer Sicht hatte ich das noch gar nicht gedacht. Als Person, die Privilegien genießt, die andere so nicht haben bzw. die Diskriminierungen bestimmter Art nicht kennt, ist es so leicht zu übersehen, an welchen Stellen Normen vorherrschen, die anderen Menschen (enorme) Schwierigkeiten bereiten. Also auch Danke für diesen Hinweis!

          Ansonsten wollte ich mich noch kurz entschuldigen: Das Zitat, von dem Du dachtest, ich hätte es von Dir ist vielmehr ein Gefühl von mir, das ich ähnlich bei Dir wiedergefunden habe und das ich irgendwie in Anführungszeichen gesetzt habe, um es knapper formulieren zu können. Tut mir Leid, falls Du danach gesucht haben solltest!

          Ich bin jedenfalls froh, Dein Blog gefunden zu haben und hoffe, dass mir hier noch ein paar Aha-Erlebnisse begegnen werden!

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