Wo kein Typ ist, kann ja noch einer hin.

Ich erinnere mich wie es war, ich ging mit meinem Boyfriend an der Hand durch Berlin, zu Parties, zu Freunden und sobald jemensch gesehen hat, dass wir Händchen halten oder uns küssen, war klar: ich bin „sein Mädchen“. In der Regel reichte da sogar schon ein beieinander Stehen.

Nun einige Jahre später das gleiche. Party, Händchen halten, küssen. Nur dieses Mal ist es kein Typ und das ändert einiges: Während bei hetero-gelesenen Beziehungen die Außenwelt meint Besitzansprüche seien geklärt und selbstverständlich von einer Zu_sammen_gehörigkeit ausgegangen wird, wird einem nicht-hetero-gelesenen¹ Beisammensein genau das abgesprochen. Auch wenn eigentlich offensichtlich scheint, dass zwei Menschen diese Zweisamkeit gerade genießen, wird freies Balz-Revier vermutet – denn wo kein Typ ist, kann ja noch einer hin.
Das kann beispielsweise so aussehen: zwei Menschen flirten, turteln, tanzen, küssen sich und sind die meiste Zeit in körperlichem Kontakt zu einander. Aber das stört weder Typ A noch Typ B und auch Typ C meint nicht, dass er fehl am Platz sei, wenn er anfängt eine der beiden Personen anzugraben. Das klare aufeinander Beziehen der beiden Personen wird zwar registriert, aber statt daraus zu folgern, möglicher Weise unerwünscht zu sein, wird sich einfach dazwischen geschoben. Denn, ich wiederhole: Wo kein Typ ist, kann ja noch einer hin.
Dieses Ignorieren und damit Negieren eines offensichtlich performten Zusammenseins und sei es nur für einen Abend, spiegelt nicht nur heteronormative Wertvorstellungen von Beziehung wieder, es degradiert die jeweils als Bezugsmensch nicht ernstgenomme andere Person und macht sie unsichtbar.
Besonders zum kotzen daran ist, dass das NichtWahrnehmenWollen, bzw. das nicht Ernstnehmen und Absprechen von nicht-hetero-gelesenen¹ Verbindungen, zusätzlich zu der dargebotenen aggressiven heterosexistischen Performance, so viel Raum einnimmt, dass es Typ A/B/C am Ende des Abends eben doch geschafft hat die Qualität des Abends sowie die Gesprächsthemen und das Un_wohlfülen maßgeblich mitzubestimmen.
Deswegen ist mein neues Party-Motto: Wo kein Typ ist, macht der Abend einen Sinn!

¹ „nicht-hetero-gelesen“ ist keine adäquate Bezeichnung von Beziehungen oder Menschen, da sie hetero als Bezugsrahmen nutzt und dabei Normativität reproduziert. Ich verwende sie in diesem Fall um die Lesart einer heternormativen Umgebung deutlich zu machen.

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4 Gedanken zu “Wo kein Typ ist, kann ja noch einer hin.

  1. na, dazu kommt wohl das, wenn es zwei als Frau gelesene Menschen sind, viele Typen aufn flotten dreier spekulieren. sie lesen das sich-auf-einander-beziehn von zwei „Frauen“ als öffentliche anbaggeraufforderung.

    1. @kersolq
      Und was setzt dieses Verhalten vorraus?…vielleicht die Einstellung über Menschen die als „Frauen * “ gelesen werden , dass diese keine eigene Sexualität besitzen?!

  2. haha, genau, dieser Spruch dann noch am Besten: „Seid ihr alleine hier?“ – „Ähm, nein, wir sind offensichtlich nicht allein hier.“ Ja, zum Kotzen.
    Ich glaube auch, dass das nur Frauen* so geht, zwei Männer* da würde wohl nie jeMANNd auf die Idee kommen (auch nicht jefrau), sie seien alleine da. Genau, Frauen* haben nicht nur keine eigene Sexualität sondern auch keine eigene Identität, die gibts nur, wenn ein Typ da ist. Ja, ja.. Ihr könnt mich mal, bzw. eben nicht.

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