Oh wie schön ist Pan?

Der Trend einer neuen Begrifflichkeit, um das eigene Begehren zu beschreiben, kommt auf – die „Pansexuallität“. Ich persönlich habe ein großes Problem mit diesem zunehmend befeierten Begriff. Pansexualität soll eigentlich meinen, dass mit dem Begehren keine Gender-Preferenz einhergeht. Ehrenhaft. Häufig wird queer verwendet, um ein Begehren zu beschreiben, dass nicht in ein binäres System passt und ich finde es gut, dass versucht wird andere Begriffe zunutzen, um queer nicht zunehmen zu verkürzen. Allerdings halte ich „Pansexualität“ dabei nicht für die Lösung. Warum?

Zunächst einmal: wer war Pan?
Pan ist in der griechischen Mythologie ein Satyr, der die Nymphe Syrix verfolgt und gegen ihren Wille ihre Nähe sucht. Sie flieht vor ihm, hat Angst, ihm aber ist das egal. Am Ende lässt Syrix sich vor lauter Auswegslosigkeit und Verzweiflung in ein Schilfrohr verwandeln um Pan zu entkommen. Pan pflückt daraufhin dieses Rohr und schneidet es in Stücke um seine Flöte daraus zu machen. Die Geschichte von Pan ist also weit entfernt von Konsens und handelt eigentlich von sexualisierter Gewalt. Nicht ohne Grund leitet sich auch das Wort „Panik“ von eben jener Gestalt der Mythologie ab. Immer wieder gibt es Erzählungen, in denen Pan auf seiner Flöte spielt, um Nymphen und Satyre „gefügig“ zu machen. Die Geschichte von Pan ist also die Geschichte eines Typen, der ein „Nein“ nicht akzeptiert. Dass Pan dabei keinen Unterschied macht, ob es sich bei den Sexualparnter_innen um weibliche Nymphen oder männlich Satyren handelt, nimmt der Begrifflichkeit nichts an Gewaltkontext.

Wo kommt der Begriff her?
Die Bezeichnung Pansexualität ist wird unteranderem im psychiatrischem Kontext verwendet und gilt als Begleiterscheinung, bzw Symptom der sogenannten „Borderline-Persönlichkeitsstörung“. Sie wird häufig mit Objektophilie und Sodomie in Zusammenhang gebracht. Pansexualität soll bestimmte „Perversionen“ beschrieben und wird/wurde als sexuelle Pathologiesierung ähnlich der „Nymphomanie“ genutzt.

Wer nutzt den Begriff für sich?
Eine Frage, die ich mir immer wieder stelle. Menschen, die von sich behaupten „Gender ist mir egal“ bezeichnen sich immer häufiger als Pansexuell. Allerdings ist es so, dass ich mir herausnehme zu behaupten, dass es den wenigsten tatsächlich egal ist. Ich frage mich, wer nutzt diesen Begriff für sich und warum? Ist es ähnlich wie mit dem Begriff der Bisexuallität, der häufig von jenen genutz wird, die cooler als hetero aber nicht homo sind? Wir sollten uns fragen, was mit diesem Begriff unsichtbar gemacht wird. Welche Kämpfe werden in diesem Begriff in gleicher Weise vereinahmt und ignoriert? Welche Weichrednung der Realität, der gesellschaftlichen Prägung, der eigenen Position und den eigenen Handlungs- und Denkweisen geht damit einher. Für mich riecht dieser Begriff zu sehr nach einem „für mich sind Alle gleich“, das mit so manch einer Post-Argumentation und der Blindheit für bestimmte Machtstrukturen verbunden ist. Er macht mich nervös, weil ich Prestige, Plattitüden und Legitimationsversuche und Verharmlosung von Kackscheiße wittere.

Dabei verstehe ich den Wunsch, nach Begriffen, die entwas beschreiben, das sich nicht in einem heterosexuellem und binären Koordinatensystem eingliedern lässt. Ich verstehe den Wunsch nach Selbstbezeichnungen, die der eigenen Lebensrealität näher kommen als bi oder schwul oder lesbisch und auch oft homo es vermögen. Ich begrüße es queer nicht mehr als bloße Beschreibung eines Begehrens zu nutzen, aber ich glaube tatsächlich, dass uns das Wort „Pansexualität“ dort nicht hinbringt.

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16 Gedanken zu “Oh wie schön ist Pan?

  1. Entschuldigung – Pan kommt nicht vom griechischen Gott Pan, sondern er wurde wohl eher nach diesem Wortstamm bezeichnet! πᾶν (pan) heißt so viel wie ganz, alles, jedes, und passt m.E. dann schon wieder auf das, was „wir“ (nicht die Medizin) als pansexuell bezeichnen.
    Zu behaupten, dass Bisexuallität als Begriff genutzt wird, um „cooler als hetero aber nicht homo“ auszudrücken,finde ich anmaßend gegenüber all denjenigen, die Männer* wie Frauen* lieben?

    1. Mir ist bewusst, dass Pan von „unfassen“ oder „alles“ kommt. Genauso ist die mythologische Figur auch zu diesem Namen gekommen. Und das ändert nichts daran, dass dieser Begriff eine Geschichte hat, die gerade in Verbindung mit Sexualität schwierig ist. Einen Begriff zu verwenden, ohne sich mit der Geschichte auseinander zu setzten, ist schwierig und ich frage mich wie viel Reflexion und Auseinandersetzung hinter der Verwendung des Begriff besteht.

      Und ich verstehe die Kritik an meiner Beschreibung von Bisexualität, aber dahinter steht, dass Bisexualität zum einen häufig eben doch als Prestige-Werkzeug genutzt wird und zum anderen, dass das „zufällige“ Zusammensein als Frau* mit einem Mann* oder andersherum und die damit, im Moment des Hetero-gelesenswerdens bestehenden Privilegien nicht reflektiert werden. In dem Moment, in dem ich Beispielsweise als bisexuelle Frau mit einem Mann zusammen bin, genieße ich Heteroprivilegien, egal, ob ich eigentlich bi bin oder nicht und egal ob ich mich darin erkannt fühle oder nicht.

      1. Ja, aber egal ob ich diese „Heteroprivilegien“ nutze (weil ich zufällig gerade einen Mann liebe), ändert das ja nichts an meiner Sexualität, die grundsätzlich Interesse an beiden Geschlechtern hat. Vielleicht verstehe ich dich hier an dieser Stelle auch einfach nicht richtig? Ich finde es jedenfalls schade, dass man sich als bisexueller Mensch immer wieder rechtfertigen muss und von beiden Seiten (hetero+homo) oft mit Akzeptanzproblemen zu kämpfen hat. Und Aussagen wie in diesem Text tragen leider dazu bei, dass das wohl auch noch eine Weile so sein wird.

  2. „Dabei verstehe ich den Wunsch, nach Begriffen, die entwas beschreiben, das sich nicht in einem heterosexuellem und binären Koordinatensystem eingliedern lässt. Ich verstehe den Wunsch nach Selbstbezeichnungen, die der eigenen Lebensrealität näher kommen als bi oder schwul oder lesbisch und auch oft homo es vermögen. Ich begrüße es queer nicht mehr als bloße Beschreibung eines Begehrens zu nutzen, aber ich glaube tatsächlich, dass uns das Wort “Pansexualität” dort nicht hinbringt.“
    Tja aber es gibt bis jetzt keinen Begriff der im Sprachgebauch-jetzt-dem näher kommt um für mich etwas zu beschreiben. Bi finde ich fürchterlich. Und wie war das nochmal mit anerkennung von eigener Identitärer beschreibung? ist jas jetzt nichtmehr angesagt sobald es nicht die krasseste position wieder gibt? ist es besser wenn jede_r de_die pan/bi sich in zukunft hetero nennt-damit Teile des eigenen seins verschweigt-aber niemand genervt ist. Sorry, ich finde das garnicht cool. Und es geht auch seltenst ums cool sein m.M.n. sondern um die Beschreibung der eigenen Realität. oder muss Mensch jetzt wieder beweisen das er so richtig doll lesbisch/schwul ist? bah, ich dachte wenigstens das wäre vorbei. Anerkennung der eigenen privilegien wenn man gerde in irgendeiner Form hetero gelesen wird: verdammt ja ! keine diskussion. aber verschweigen meiner eigenen sexuellen Identität weil nicht radikal genug und desswegen ja bestimmt nur als Tarnbeschreibung der eigenen homosexualität? (bitte??? )
    Seit wann haben Begriffe die wir nutzen bitte absolut gewaltfrei zu sein damit wir sie nutzen dürfen? lesbisch Schwul haben auch eine nicht gerade eine schöne vergangenheit, genauso wie begriffe Schwarz etc. warum? weil das System nunmal gewaltvoll ist-in jedem verdammten Teil. Klar: queer stellt da etwas neues dar. Aber da zu nutzen ist ja auch doof, was ich auch so sehe. Pan hat nach der mythischen bedeutung auch andere Nutzungen erfahren die meist vorher im Kopf sind: Paneuropa(bäh-gewaltvoll!) aber auch zb. Panafrika.

    Das klingt wütend und das kommt nicht von ungefähr. Ich finde so schade, dass diese Tendenz sich doch jetzt mal bitte zu endscheiden ob man nun geburtentechnisch prodduktiv (=hete) oder politisch en vouge (=homo) ist nicht aufhört.

    Achja ein weiterer Punkt der mich nervt (like a lot): für mich sagt der Begriff vorallem das ich überhaupt keine Lust habe aus meinen vergangenen sexuellen Kontakten meine sexuelle Identität für immer zu formen. Und das dies auch keinen Sinn für mich macht. Jeder der _die das kann-super. oder auch nicht. ich mag das nicht tun müssen weil ich es schlicht und ergreifend nicht kann.

    Mein vorschlag: Benennen und nicht verschweigen der eigenen Privilegien (ich sage immer: ich lebe derzeit in einer hetreosexuell gelsenen Beziehung) und bin pan. und nicht bi. sobald ein Begriff existiert der mich eher beschreibt: cool. aber bitte verlangt jetzt nicht das ich als perfekte Hete perfomen mus um politisch ok zu sein. oder leuten vor den kopf stoße in dem ich sage bi, was auch nicht ich bin und absolut zum partybegriff verkommen ist.

    „Ist es ähnlich wie mit dem Begriff der Bisexuallität, der häufig von jenen genutz wird, die cooler als hetero aber nicht homo sind? “ Großartig das eigene Identität auf coolnes reduziert wird. grml.

  3. hm, interessante Diskussion hier, wie ich finde. Also, ich verstehe die Bezeichnung pansexuell erstmals als etwas grundsätzlich völlig anderes als bisexuell, weil er sich eben nicht an der Geschlechterbinarität orientiert und auch Transmenschen und alle anderen Menschen miteinschliesst, die nicht männlich und nicht weiblich sind. Und ich finde auch nicht, dass mensch irgendjemenschen seine/ihre Identität absprechen darf.
    Schwierig wird es, und da gehe ich mit dir einig, wenn diese Bezeichnung gewählt wird, um für sich einerseits das Dazugehören zur Homo-Kultur zu beanspruchen, dort am liebsten noch über die Schwierigkeiten des Nicht-vollständig-Anerkanntwerden zu jammern (buhu, ja, aber ich werde dafür sonst nirgendwo anerkannt, ihr Lieben) und dann den Rest des Lebens mit der sicheren Hetero-Identität zu leben, was für die Dauer-Homos halt nicht geht.
    ABER: Für mich ist es schon der Anspruch, queer in allen Hinsichten zu leben und ich will in meinem Freundeskreis niemenschen sagen, wie sie zu leben hat und wen sie zu leben hat. Dass meine beste Freundin halt jetzt mit einem Mann zusammenlebt, mit dem sie glücklich ist, das macht mich super glücklich für sie. Das macht sie jetzt auch kein bisschen weniger queer. (eher im Gegenteil)
    Ich glaube, das Problem liegt in der Diskrepanz zwischen einerseits dem was sein soll und was wir im Kleinen auch (mit sehr viel Bewusstsein um die Schwierigkeit und Prekarität dessen) leben können (sich eben in wirklich queeren Räumen und Freundeskreisen zu bewegen) und andererseits dem, was in der Mehrheitsgesellschaft halt vorherrscht. Und dass es deswegen in dieser heterosexistischen Gesellschaft auch Sinn macht, teilweise separatistisch zu denken, um Schutzräume haben zu können, wo mensch sicher ist vor der zermürbenden Diskriminierung. Und wenn da dann halt mal Pansexuelle und Heteros und/oder Männer* ausgeschlossen werden, dann müssen sie sich halt damit abfinden, bzw. müssen verstehen, warum das wichtig ist. (tun sie ja auch, meistens zumindest). Aber grundsätzlich Menschen, die in als heterosexuell gelesenen Beziehungen leben, das Recht abzusprechen, queer zu sein, das geht nicht. Weil wir sie auch brauchen, diejenigen, die als „normal“ durchgehen können und dann in Heterosettings eben sagen „hey, aber Halt mal, so ist das nicht, oder denkt bloss nicht, ich würde hier dazugehören“. Denn auch wenn sie in einer „Heterobeziehung“ per se nicht diskriminiert werden, heisst das noch lange nicht, dass sie nicht über sich und ihre Identität sehr wohl sehr reflektiert sind (gerade Menschen, die sich pansexuell nennen) und genauso unter dieser Zwangshetero- und Zweigeschlechtsdiktatur leiden.

    1. ich empfinde die darstellung von bi_sexuellen im obigen text, sowie in den folgenden kommentaren, als total daneben. es frustriert mich, wie akzeptiert es in der so genannten queeren szene ist, bi_phobe sprüche loszulassen und dafür auch noch unterstützung zu ernten. der vorwurf bi_sexuelle würden versuchen sich ein bisschen da und ein bisschen dort reinzuhängen ist eben genau teil des problems! wenn mensch bedenkt, dass bi_sexuelle eben genau damit konfrontiert werden in keiner szene anerkannt zu werden, sondern ständig mit dem vorwurf von privilegien und falschheit konfrontiert sind, ist es kein wunder, dass viele bi_sexuelle ihre base noch nicht gefunden haben. bi_sexuelle menschen kämpfen tagtäglich mit diskriminierung die sich durch ihre unsichtbarkeit und unsichtbarmachung ergibt. weil sie aufgrund des binären geschlechterdenkens und der noch immer bestehenden logik von entweder homo oder hetero, immer als teil von einem der beiden ‚pole‘, aber nie als das, als was sie sich identifizieren, nämlich bi_sexuell, gelesen werden können. genau das wiederum ist ausdruck der internalisierten normen, die keinen raum lassen für ein sich verorten irgendwo ‚dazwischen‘.

      ich frage mich wirklich wie wir ‚queer‘ verstehen wollen??

      für mich bedeutet es, raum zu machen für unterschiedliche sexuelle identitäten und begehrensformen, ein anerkennen des abseits der (homo/hetero/mann/frau)norm, das respektieren der veränderbarkeit von begehren, ohne ebendiesem mit vorwürfen zu begegnen; ein gemeinsames kämpfen gegen heterosexistische verhältnisse und nicht ein bashen von personen, die sich als bi_sexuell definieren.
      diese menschen dann auch noch als jammerer:innen darzustellen ist ignorant gegenüber der spezifischen diskriminierung die bi_sexuelle erleben (unsichtbarkeit, unterstellung von ‚falschheit‘) und den kämpfen von bi_sexuellen menschen.

      @bi_sexuell: ich verwende hier die schreibweise mit unterstrich, weil sich bi_ zu definieren, nicht bedeutet geschlechterbinaritäten verfestigen zu wollen, sondern menschen unterschiedlicher gender/geschlechter begehren zu können und zu wollen.

      1. nach dem lesen des textes blieb bei mir erst mal ein komisches gefühl in der magengegend zurück und so wirklich legen tut sich das nicht. wieso – hab ich mich dann seit heute früh gefragt.

        weil es nicht das erste mal ist, dass ich eine solche darstellung von bisexuellen lese/höre. weil es mich verunsichert und in meinem kopf die fragen kreisen, ob meine sexuelle orientierung überhaupt eine berechtigung hat (danke auch, dass andere, in diesem fall du debs, darüber entscheiden wer ‚true‘ ist. bisexuelle sind es ja anscheinend nicht.) und ob ich willkommen bin in der sog. schönen queeren welt. irgendwie nicht. wie kassio es bereits beschrieben hat, werden bisexuelle entweder als homo oder hetero gelesen. werde ich als homo gelesen, bekomme ich die diskriminierung von der mehrheitsgesellschaft ab. als hete gelesene, werd ich von meiner eigenen szene mit vorurteilen und abwertungen überhäuft. ja was denn nu?!

        muss ich denn meine sexuelle orientierung bis zum letzten durchreflektieren und vor anderen rechtfertigen? vielleicht befinden sich viele menschen in einem prozess und so begreife z.b. ich meine sexualität auch. nicht als ist- zustand, der dann von anderen bewertet, kategorisiert und beurteilt werden kann, sondern als prozess, in welchem ich das tue, was mir gut tut (natürlich ohne anderen zu schaden). ich will damit nicht sagen, dass ich die reflektion vor allem von privilegien für sinnlos halte. das ist sehr sehr wichtig. ich meine damit diesen anspruch und die erwartung die da an mich täglich heran getragen werden, ich solle doch gefälligst meine sexuelle identität mal ordentlich reflektieren, mich entscheiden, eine ansage machen, damit andere mich in irgendwelche schemata zwängen können.

        und 1000 dank kassio für deinen beitrag. ich hab das von dir geschriebene ja eigentlich nur nochmal mit meiner persönlichen erfahrung unterlegt. ich kann in allen punkten nur zustimmen und die frage wie die queere szene dieses „queer“ versteht, beschäftigt mich schon seit längerem. worauf ich nämlich keine lust habe, sind diese standards die von einzelnen aber auch von gruppen in der ’szene‘ gesetzt werden. an die muss ich mich dann halten oder ich gehöre nicht dazu? sollte es darum eigentlich genau nicht gehen?

  4. Was kassio sagt. Danke dafür.
    Debs, der Text hat mich wütend gemacht, weil er bisexuelle Menschen abwertet, zu ihrer Unsichtbarmachung beiträgt sowie ihre Gewalterfahrungen leugnet. Bei Bedarf kann ich da gerne Studien zu nachschieben, sobald ich da wieder Zugang zu habe.

  5. Total schön zu lesen, dass hier so viele die Sache genauso sehen. Mein erstes Post war wütend, unkonzentriert und verletzt weil ich nicht damit gerechnet hätte das heutzutage noch soetwas einfach rausgehauen wird.
    Deb, wie geht es dir mi em Feedback? verstehst du unsere Positionen?

  6. wahrscheinlich ist das das Problem der Begriffe…
    Ich kenne einige inhaltliche Auseinandersetzungen und habe von der speziellen Diskriminierung von bi-Menschen gehört. Und ich will auf gar keinen Fall irgendeiner ihre Definition absprechen!
    Und dennoch: Wenn ich Menschen treffe, wo ich mitbekomme, dass sie sich bi nennen und damit meinen, dass sie eine hetero-Beziehung zu einem Mann führen und nebenbei gerne mal auf Partys mit Frauen knutschen, dann tut mir das weh. Dann denke ich, dass sie nicht wissen, wie es ist im Alltag als Lesbe zu leben. -Und sich trotzdem grade als Teil meiner Community benennen.- (Worin mich wieder nichts von bi-Menschen unterscheidet, die vll eine zeitlang zb als Frau* ne Beziehung zu ner Frau* haben, im Alltag. ) Und es ist mir total wichtig, dass Menschen sich reindenken in meinen Alltag und lernen, was es bedeutet dieser Diskiminierung ausgesetzt zu sein und lernen was es heißt diese Diskriminierung nicht zu erleben, also die Privilegien zu haben! Und das ein „wir sind doch alle Menschen“ das einfach nur unsichtbar macht!
    Und ich weiß , dass bi-Menschen zum Teil genau diese Diskriminierung auch erleben (+ andere Diskr.) und bi-Communities diese ganzen Themen genau reflektieren und behandeln. Und da ist sie die Schwierigkeit mit den Begriffen. Vielleicht kann es keinen Begriff geben, der mit ausdrückt, dass Diskriminierung/Privilegien reflektiert werden, vielleicht kann man einen Begriff nicht nur für Menschen haben, die sich und die Gesellschaft da reflektieren. (Wobei queer das für mich tatsächlich tut.)

    Genau das gleiche Problem habe ich auch mit pansexuell. Plus das ich das Wort nicht schön finde. (Ich habe das auch mal in einem anderen Kontext verwendet gefunden, nämlich bei einem Film über ein Paar wo die beiden die identische Person sein wollten, oder so, und für mich hat es irgendwie diese Bedeutung behalten, ich weiß aber nicht wie das jetzt mit der anderen Bedeutung zusammenhängt…)

    Und wenn ich ein besseres Wort hätte, hätte ich mich oben auch nicht als Lesbe bezeichnet. Im Moment bezeichne ich mein Begehren als lesbisch oder queer. In Ermangelung etwas, was akkurater ist und sich gut anfühlt. (Plus: allgemein verständlich ist). Ja, schwierig das mit den Wörtern. Und trotzdem hoffe ich „wir“ finden noch eins/viele!

    Lieben, solidarischen Gruß!

    1. Finde es gut, dass du auch darauf hinweist, dass eine privilegierte Person sich ihrer Privilegien bewusst sein kann, und dass das nicht auf dem Label steht. Ich glaube, es ist wichtig, das im Hinterkopf zu behalten.

      Zu dem Party-Bi_Frau-Aspekt – und zu dem ganzen Bennenungsthema, um das es hier geht – möchte ich allen dringend diesen Artikel empfehlen, den ich letzte Woche gelesen habe (auf englisch): http://lefteyerighteye.wordpress.com/2014/02/23/faux-bisexuality-is-not-what-caused-bi-erasure/

  7. Bingo…

    Ich bin etwas angepisst. Haette mir gewünscht,dass eine die erfahrungen mit den *ismen der gesellschaft hat nicht auch noch selbst welche reproduziert. Es reicht die scheiße von heteros zu hoeren die einen wahlweise fetischisieren oder nicht ernstnehmen. Dafuer bekommt man aber nen Anteil übergriffe und sowas ab(hat auch heteroprivileg-wird mit gegengender-partner hetero gelesen. Das leugnet niemand)
    Aber cool? Ja neben dem wunderbar slut-shamigen vorwurf,man waere als bi-identifizierende nicht beziehungsfaehig weil mensch ja jeden gender daten koenne and subsequently das dann ja auch taete. Kann nicht zaehlen wie oft ich mitbekam,dass ich unerwuenscht bin weil frau mit mir keine beziehung wollten weil ich ja eh jeden schw… wollte. Uugh. Und jetzt also cool.
    Was ist daran cool?
    Is dein „lesbentum“/deine identitaet cool?warum,weil du unterdrueckt wirst? Weil du nicht wie ganzen istischen heten bist?anders? Was is daran cool?/sarkasmus off.
    Bin ich also cool,wenn ich eine nichtheterobeziehung fuehre?ich kenne keine die das so sieht und bereit waere,die coolness mit mir zu teilen^^. Eher im gegenteil-fuer viele lesben bin jch uncool wegen der idee dass bi bedeutet: slut,beliebig, untreu,beziehungsunfaehig.
    Manche heteromarnner moegen bis cool finden,so wie die ‚lesben’im hetenporno aber darauf kann ich ebensogut verzichten wie-denke ich-du auch.
    Andere finden es nicht cool sondern eine phase,charakterschwaeche weil mensch sich ‚wohlnicht entscheiden koenne‘ (andere sind dann bereit zu helfen, man muesse ja ’nur mal richtig gef*** wersen dann wisse man schon, dass eine echte frau/ein echter mann(ja ich habe das tatsaechlich auch von ner frau gehoert) die einzig wahre/richtige sache sei…
    Also..leider habe ich die noetige anerkennung,die fuer coolness noetig ist weder von heteros noch von homosexuellen bekommen. Voo kannst du mir ja welche geben?
    Hab nur leider nicht viel zeit,muss partner wechseln,hab gehoert dass gender X uncool is. Muss also was finden war zur tasche passt.

  8. Ich soll meine sexuelle Identität leugnen, wenn ich gerade in einer heterosexuellen Beziehung bin? Weil ich bisexuell bin stehe ich unter dem Verdacht nicht mit meinem Partner zusammen zu leben weil ich ihn liebe sondern weil ich hetero-Privilegien genießen will? Ich darf meine Sexualität nicht so ausleben wie ich möchte sondern muss wenn, dann schon eine Beziehung führen damit das anerkannt wird? „Nur küssen“ reicht nicht um anerkannt zu werden? Weil andere von stärkerer Diskriminierung betroffen bin soll ich meine eigenen Erfahrungen nicht benennen? Wenn ich mich bisexuell nenne stehe ich unter dem Verdacht das zu tun weil ich cool sein möchte und nicht weil ich so fühle? Muss ich etwa erst einmal beweisen dass ich auch tatsächlich bi bin (am besten mit einer Beziehung)?
    Ich empfinde eure Kommentare und Urteile über Menschen die sich als bisexuell identifizieren als sehr harsch und verletzend. Hier wird, was mir völlig unverständlich ist, Kraft aufgewendet um Menschen aus eine Community auszugrenzen, die „nicht genug diskriminiert“ werden, statt gemeinsam gegen die Diskriminierung vorzugehen.

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